Was macht den Harz so besonders?
Seine landschaftlichen Schönheiten, und: fast alle Orte rundherum sind klimafreundlich als Ausgangs- oder Endpunkte mit der Bahn erreichbar.
Himmelfahrt 2026 ist das Wetter sehr labil angsagt, eine gute Gelegenheit, mal wieder autark den Harz zu beradeln, mit MTB, Kocher, Übernachtungsgepäck.
Komoot schlägt uns im Modus "Gravel" eine Route vom Bahnhof Seesen zum Bahnhof Aschersleben vor, und die funktioniert prima!
Viele Offroadpisten, einige Singletrails, Straße nur als Ausnahme. Insgesamt 160 Kilometer mit 2500 Höhenmetern.
Wir teilen sie auf zwei Tage auf und planen irgendwo nach rund 70km bei Königshütte zu übernachten. Auf den Brocken mit Trekkinggepäck, das kann schon etwas dauern, da legen wir uns für die Nacht besser nicht fest.
Wegpunkte des ersten Tages sind das Pendelbachtal nach Wildemann, durchs Spiegeltal nach Clausthal-Zellerfeld, über die ehemalige Bahntrasse nach Altenau, durchs Kellwassertal nach Torfhaus, den Goetheweg auf den Brocken.
Der Bahntrassenweg ist toll, entspannt bergabrollend zieht die Landschaft vorbei. Das Kellwassertal bergauf nach Torfhaus atmet eine fast voralpine Weite, ohne Straße und den damit verbundenen Lärm.
Der Regen nimmt über den Tag stetig zu, zuerst nur Schauer, dann Graupel, schließlich schneit es auf dem Brocken, und das Mitte Mai!
Wir entkommen der Kälte mit rasanter Fahrt über den Glashüttenweg nach Drei-Annen-Hohne, und weiter durch das Steinbachtal nach Königshütte. Die jüngst neugebaute Schutzhütte am Wegkreuz kurz vor den Rabensteinen würde einen guten Übernnachtungsplatz abgeben; wir fahren noch weiter durchs Bodetal an der Talsperre entlang, bis gegenüber die Ruine der Susenburg auftauchen. Die hier am Granitfelsen stehende alte Hütte bietet immerhin rudimentären Wetterschutz.
Nach eisiger Nacht geht es schnell über Rübeland zur Staumauer der Rappbodetalsperre mit den Harzdrenalinspektakeln, durch stille Laubwälder und den Langenhorngrund bergab nach Allrode, weiter nach Friedrichsbrunn, zum Schluss überraschend steil, über Mägdesprung ins eindrucksvoll schmale, von felsigen laubigen Wänden berenzten Selketal und entspannt hinabrollend nach Meisdorf. Da der Tag noch einige Stunden übrig hat, machen wir einen lohnenden Umweg zur Konradsburg und zur Burgruine Arnstein und rollen abends im überraschend schönen Städtchen Aschersleben mit tausendjähriger Geschichte ein.
In zwei Tagen Harzcross haben wir Wildschweine mit Frischlingen gesehen, einen durch den dichten Wald segelnden Reiher, Rehe, Feldhasen, Füchse, rotes Harzer Höhenvieh, bunte Kühe, Pferde und Schafe, Schwalben, Wanderfalken, Turmfalken und allerlei weitere Vögel. Sonne, Regen, Schnee.
Und zum Schluss sogar noch spannende Burgen auf steilen Bergkuppen mit Blick zurück auf den Harz.
Von Seesen über den Brocken nach Aschersleben - wir können es empfehlen!
Axel Hake